Der unsichtbare Rucksack, den du trägst

Nach einer toxischen Beziehung bleibt oft etwas Unsichtbares zurück, ein Gefühl der Verantwortung, dass sich wie Blei anfühlt. Du fragst dich immer noch, ob du anders hättest reagieren können, ob deine Worte ihn verletzt haben & ob du mehr getan hättest, wenn du nur perfekt genug gewesen wärst.

Diese Gedanken sind kein Zufall. Sie sind die Folgen einer toxischen Beziehung, in der deine Grenzen verwischt wurden & deine Bedürfnisse weniger wichtig waren als sein Wohlbefinden. Die Wahrheit ist einfach & befreiend… Du bist nicht verantwortlich für sein Verhalten, nicht jetzt & auch nicht davor. Doch diese Wahrheit zu verinnerlichen braucht Zeit, Geduld & vorallem Mitgefühl für dich selbst.

Warum du dich schuldig fühlst

Toxische Beziehungen funktionieren nach einem bestimmten Muster & du warst nicht einfach nur darin verwickelt, du wurdest darin verstrickt. Der erste Schritt zur Befreiung ist zu verstehen, wie es passiert ist.

In einer toxischen Beziehung wird dir vermittelt, dass sein Verhalten, seine Gefühle & Handlungen deine Schuld sind… Wenn er wütend wurde, war es weil du etwas Falsches gesagt hast & wenn er untreu war, lag es daran, dass du nicht genug Aufmerksamkeit gegeben hast. Wenn er depressiv war, hättest du ihn mehr unterstützen müssen. Diese Logik wird immer & immer wiederholt, bis du anfängst sie zu glauben.

Das nennt sich Gaslighting & ist eine der perfidesten Formen der emotionalen Manipulation. Es passiert so langsam, dass du nicht merkst wie sich deine innere Kompassnadel dreht. Plötzlich glaubst du, dass eure Probleme primär deine Schuld sind. Du beginnst dich für seine Fehler zu entschuldigen, für seine Ausbrüche & für seine Lügen.

Dies ist nicht dein Versagen als Partner. Es ist sein Versagen respektvoll zu sein & seine Geschicklichkeit andere zum Schuldigen zu machen. Toxische Partner sind oft meisterhaft Manipulatoren, die genau wissen, wie man jemanden dazu bringt, Verantwortung für die Probleme der Beziehung zu übernehmen.

Die traurige Realität ist, dass diese Manipulation systematisch war & nicht zufällig. Es war nicht deine Schuld , dass du dich darauf eingelassen hast… Manipulatoren sind gut darin indem was sie tun. Deshalb suchen sie sich empathische Menschen aus, die hoffen & geben können.

Die Rollen, die toxische Beziehungen dir aufzwingen

Um wirklich aus diesem Muster herauszukommen, musst du erst die verschiedenen Rollen verstehen, die dir in der toxischen Beziehung zugewiesen wurden.

Die Rolle der Therapeutin: Du warst diejenige, die ihn beruhigen musste, wenn er wütend war. Du hast seine Gefühle bestätigt, selbst wenn diese aus manipulativen oder missbräuchlichen Handlungen entstanden sind. Du hast Stunden damit verbracht, ihn zu verstehen, seine Perspektive nachzuvollziehen, ihm zu helfen „besser“ zu werden. Aber diese Rolle war nicht deine… Du bist keine Therapeutin & schon gar nicht seine.

Die Rolle der Retterin: Du dachtest, wenn du nur hart genug daran arbeitest, könntest du ihn verändern. Indem du liebevoll genug bist, wenn du die richtigen Worte findest… Diese Idee ist für empathische Menschen verlockend, aber sie ist eine Illusion. Du kannst einen anderen Menschen nicht verändern! Veränderung muss von innen kommen & wenn er nicht bereit ist sich zu ändern, dann ist das seine Entscheidung, aber nicht dein Versagen.

Die Rolle der Schuldigen: Das ist die Rolle in die dich toxische Partner gerne drängen. Du bist die jenige, auf die der Finger gezeigt wird, wenn etwas schiefgeht. Du trägst das Schuldgefühl für das was er getan hat& das ist sein Schachzug. Es hält dich nah bei ihm, macht dich gehorsam & er hat die Kontrolle.

Erkenntnis dazu: Diese Rollen sind nicht wer du bist, sondern Kostüme die dir aufgezwungen wurden. Die erste Handlung nach der Trennung besteht darin, diese auszuziehen & dich darunter wiederzuentdecken.

Das Schuldgefühl von innen nach außen auflösen

Der erste Schritt ist Ehrlichkeit zu dir selbst… Nimm dir Zeit, setz dich hin & schreib auf: Was habe ich getan, was ich wirklich bereue? Aber nicht was er dir gesagt hat, was du getan hast, sondern nur das bei dem du dich wirklich schuldig fühlst. Vielleicht bist du manchmal lieblos gewesen oder hast gelogen um Konflikte zu vermeiden… Vielleicht hast du dich auch in deine eigenen Bedürfnisse zurückgezogen, dass du emotional nicht mehr präsent warst. Das sind echte Dinge, für die du Verantwortung übernehmen kannst. Der Unterschied zwischen echten Schuldgefühlen & den Schuldgefühlen der Manipulation ist: Echte Schuldgefühle konzentrieren sich auf konkrete Handlungen, die du bereust & bei manipulierten Schuldgefühlen wird dir die Verantwortung für die Gefühle deines toxischen Partners übertragen.

Wenn du echte Handlungen aufgeschrieben hast, bei denen du dich schuldig fühlst, dann verzeihe dir selbst. Schreib dir einen Brief, sprich es danach laut aus & sag dir selbst: „Ich bin nicht perfekt, ich habe Fehler gemacht & ich vergebe mir für diese Fehler. Aber bei allem anderen, wo er gesagt hat, dass du schuld bist… Für seine Untreue, seinen Wutausbrüchen, seinen Lügen & seiner emotionalen Verschlossenheit musst du bewusst eine neue Aussage treffen: „Das ist nicht meine Verantwortung. Das waren seine Entscheidungen & sind Teil seiner Verantwortung & nicht meiner. Wiederhole diese Aussage so oft, bis sie sich nicht mehr wie eine Lüge anfühlt.

Möchtest du etwas tiefer eintauchen? Dann habe ich 5 heilsame Reflexionsfragen für dich. Sie helfen dir deine wahren Grenzen zu erkennen, wieder bei dir selbst anzukommen & lassen deine Schuldgefühle leiser werden

Grenzen setzen & durchhalten

Eine der wichtigsten Lektionen nach einer toxischen Beziehung ist das Erlernen von Grenzen. Echte feste Grenzen & nicht die Grenzen die du aufgegeben hast, weil er sie ignoriert hat oder du Angst hattest ihn zu verlieren.

Grenzen sind nicht egoistisch oder lieblos… Es ist ein Akt der Selbstliebe, schützt dich & macht klar,was du akzeptierst & was Nicht.

Nachdem die Beziehung vorbei ist, könnte es immernoch Kontakt mit ihm geben. Vielleicht habt ihr gemeinsame Freunde oder finanzielle & rechtliche Angelegenheiten zu regeln. Da könnten die Grenzen sein: Du sprichst nur mit ihm über die spezifischen Themen, du bist nicht verfügbar für Gespräche über diese Beziehung oder über dein Privatleben.

Du musst ihm nicht vergeben

Viele Frauen nach toxischen Beziehungen kämpfen mit Vergebung. Sie denken, dass Vergebung bedeutet zu akzeptieren, was er getan hat ok war. Aber das bedeutet Vergebung nicht.

Vergebung ist ein Prozess, indem du aufhörst deine eigene Energie für seine Fehler zu verschwenden. Du vergibst nicht, indem du sagst, dass er recht hatte oder das du ihm verzeihst. Du vergibst um dich von deinem Trauma zu befreien, dass seine Handlungen in dir hinterlassen haben. Wenn du ihm nicht vergeben willst, ist das auch völlig okay, da nicht jede Handlung Vergebung verdient.

Was du stattdessen tun kannst ist Loslassen. Loslassen bedeutet, dass du akzeptierst, was passiert ist, dass es weh getan hat, es nicht okay war, aber das du dich nicht mehr an den Schmerz klammern wirst

Der Weg nach vorne ohne seinen Ballast

Der Weg aus einer toxischen Beziehung ist nicht linear: Es gibt Tage, an denen du dich stark fühlst & weißt mit Sicherheit, dass du nicht schuld bist… Aber dann gibt es auch Tage, an denen dich eine zufällige Erinnerung zurückwirft & du dich wieder fragst, ob du anders hättest handeln sollen.

Das ist normal & ist Teil des Heilungprozesses. Mit jedem Mal,wenn du dich von diesem Schuldgefühl befreist, wenn du dir selbst die Wahrheit sagst, dass du nicht schuld für seine Entscheidungen bist wirst du stärker. Du wirst klarer & du wirst feststellen, dass dieser unsichtbare Rucksack immer leichter wird. Es gibt einen Weg voraus, der nicht in der Vergangenheit gefangen ist. Einen Weg, auf dem du deine Grenzen hochhalten, deine Bedürfnisse schätzt & dich nicht für die Fehler anderer verantwortlich fühlst. Dieser Weg führt zu dir selbst, zu der Person, die du wirklich bist, wenn niemand mehr da ist um dich zu manipulieren.

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